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Malteser Demenzkompetenz - Leben mit Demenz

Die Malteser - auf dem Weg zu einem demenzfreundlichen Krankenhaus

Praxisnahe Tipps, zur Nachahmung empfohlen

Der Krankenhausalltag wirkt auf Patienten mit Demenz oft verstörend und desorientierend. Mit einigen wenigen Maßnahmen lässt sich die Umgebung auf Station so verändern, dass sie die Orientierung und damit auch demenziell Erkrankten den stationären Aufenthalt erleichtert. Hier finden Sie Anregungen dazu, die die Malteser in ihren Einrichtungen umgesetzt haben - teils auf Spezialstationen, auf "Normalstationen" oder auch in Tagestreff bzw. Tagespflege.

Queen Silvia Nursing Award

Die optimale und würdevolle Pflege und Versorgung von hochaltrigen Menschen, insbesondere von Menschen mit einer Demenzerkrankung sind ihr ein wichtiges Anliegen. Ihr, das ist Königin Silvia von Schweden, die u.a. die Silviahemmet Stiftung gegründet hat.
Der Queen Silvia Nursing Award, der anlässlich des runden Geburtstages von Königin Silvia ins Leben gerufen wurde,  wird 2018 zum ersten Mal auch in Deutschland verliehen. Die Malteser sind als Premium Partner dabei.
Berit Ehmann ist die erste Preisträgerin des Awards in Deutschland. Mehr zur Preisträgerin und zum Award findet sich  hier.

Fortschritt für Patienten mit Demenz - Krankenhaus-Aufenthalt verbessert eigene Fähigkeiten

Pressemeldung

Für Menschen mit einer Demenz ist die Behandlung einer Krankheit oder Verletzung im Krankenhaus oft mit einer Verschlechterung der Demenzsymptome verbunden. Erhöhte Unruhe, Orientierungslosigkeit und Verwirrtheit sind die Folge. Dass es anders geht, zeigt eine Evaluationsstudie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (DIP), die jetzt erschienen ist. Über einen Zeitraum von drei Jahren begleiteten die Forscher die Versorgung von 400 Patienten auf der "Station Silvia", einer "special care unit" im Malteser Krankenhaus St. Hildegardis in Köln. Mobilität, geistige Fähigkeiten und die Alltagskompetenz der Patienten verbesserten sich während des Aufenthaltes dort deutlich.

Ein weiterer positiver Befund: Die überwiegend hochbetagten Patienten wurden nicht am Bett fixiert, um zum Beispiel ihr „Weglaufen“ zu verhindern, wie es vielfach im Krankenhaus noch der Fall ist.  Prof. Michael Isfort, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des DIP: "Fixierungen sind vermeidbar und keine natürliche Begleiterscheinung einer Krankenhausbehandlung." Ärzte, Schwestern und Therapeuten der "Station Silvia" haben sich auf die besonderen Bedürfnisse dieser Patientengruppe eingestellt und den Arbeitsablauf des auf Effizienz gerichteten Krankenhausbetriebs an die Patienten angepasst. Prof. Isfort: "Die Ergebnisse zeigen auf eindrucksvolle Weise, dass ein Erhalt der Funktionen oder sogar eine Verbesserung bei Menschen mit Demenz möglich sind, wenn Teams interdisziplinär gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Bemerkenswert ist, dass Innovationen im Bereich der Versorgung oft von kleineren Krankenhäusern ausgehen, sie sind die eigentlichen Treiber der Entwicklung jenseits der High-Tech Medizin." Sein Fazit: "Die Ergebnisse sind für alle Kliniken interessant, und das Konzept setzt Maßstäbe."

Die Station Silvia ist eigens auf die Bedürfnisse von demenziell erkrankten Patienten zugeschnitten. Sie ist übersichtlich gestaltet und bietet mit einer Küche und einem Tages- und Speiseraum eine Art familiären Zusammenlebens, das nicht einer normalen Krankenhausstation entspricht. Lobend erwähnen die Angehörigen laut Studie auch den offenen und warmherzigen Umgang des Klinikpersonals mit den Patienten.

Die Malteser fordern, diesen Fortschritt in der Versorgung und Behandlung von Menschen mit Demenz durch eine adäquate Finanzierung flächendeckend zu ermöglichen. Der Geschäftsführer der Malteser Deutschland, Dr. Franz Graf von Harnoncourt: "Akut erkrankte Menschen mit einer Demenz können im Krankenhaus so versorgt werden, dass sie gestärkt wieder entlassen werden. Jetzt sind die Politik und die Kostenträger gefragt, die Refinanzierung sicherzustellen. Aktuell ist dies nur durch Eigenmittel möglich. Unter der gegebenen Krankenhausfinanzierung ist das für die meisten Häuser nicht zu leisten."

Die wissenschaftliche Evaluation der Station Silvia als eine der ersten „special care units“ in einem deutschen Akutkrankenhaus wurde durch einen Lenkungsausschuss begleitet. Mitglieder waren Vertreter von Wissenschaft, Praxis, Politik und der Patientenperspektive. Regina Schmidt-Zadel, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft in Nordrhein-Westfalen, bekräftigt ihre persönlichen positiven Erfahrungen mit der Versorgung auf Station Silvia: "Das Malteser Krankenhaus St. Hildegardis hat seine Beschäftigten zu Experten zum Thema Demenz geschult und fördert innerhalb des Krankenhauses eine interdisziplinäre Zusammenarbeit aller verantwortlichen Kräfte."

Aus der Angehörigenperspektive: Hervorragende Versorgung im St. Hildegardis

Auch für Regina Schmidt-Zadel, die Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft in Nordrhein-Westfalen, ist eine bessere Versorgung von Patienten mit Demenz im Akutkrankenhaus ein Herzensanliegen, zumal sie durch die Erkrankung ihrer Schwester auf persönliche Erfahrungen verweisen kann. Sie ist der festen Überzeugung: "Der Aufenthalt im Krankenhaus kann für Menschen mit Demenz/Alzheimer zu nicht vorhersehbaren Veränderungen und Verschlechterungen im Zustand führen. Für ein Krankenhaus der Allgemeinversorgung sollte die Versorgung und Betreuung von Menschen mit dem Krankheitsbild Demenz so gestaltet werden, dass krisenhafte Zuspitzungen vermieden werden können. Nach Aussagen vieler betroffener Angehörigen ist die Versorgung im Allgemeinkrankenhaus oft sehr unzureichend und führt häufig zu einer Verschlimmerung des Krankheitsbildes Demenz.

Das Thema beschäftigt mich als Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft NRW, aber auch im privaten Bereich. Meine an Demenz erkrankte Schwester war wiederholt als Patientin im Hildegardis-Krankenhaus in Köln, und ich kann berichten, dass die Betreuung und Versorgung ganz hervorragend war. Außerdem erhalten die Patienten dort Sicherheit durch geschulte Kräfte.

Wir hatten als Vorstand der Alzheimer-Gesellschaft in der vergangenen Woche ein Gespräch mit unserem Minister, Herrn Laumann, und wir haben auch ihn darauf hingewiesen, dass im Bereich Versorgung von Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus dringender Handlungsbedarf besteht und als positives Beispiel das Hildegardis-Krankenhaus angeführt."

ZDF berichtet über Station Silvia

In einem Beitrag für die Verbrauchersendung "Volle Kanne" zeigt das ZDF, wie im Malteser Krankenhaus St. Hildegardis in Köln Akutpatienten mit der Zweitdiagnose Demenz behandelt und begleitet werden: auf der Spezialstation "Silvia". Dort findet so viel Diagnostik wie möglich im Patientenzimmer statt, es gibt eine Orientierung fördernde Umgebung und tagesstrukturierende Maßnahmen sowie engagierte Therapeuten und Alltagsbegleiter, die individuell auf die Patienten eingehen und sie fördern. Mit einigem Erfolg: Etliche Patienten kommen nach der Entlassung zuhause besser zurecht als vor dem Klinikaufenthalt.

Angebot für jüngere Demenzkranke

Wegen entsprechender Nachfrage gibt es im Malteser Tagesstreff in Esslingen-Weil ein Angebot, das sich speziell an jüngere Menschen mit beginnender Demenz richtet. Freitags ist eine Gruppe mit einem besonderen Begleitungskonzept eingerichtet, das speziell auf diese oft vernachlässigte Zielgruppe zugeschnitten ist.

Interessenten erhalten weitere Informationen direkt bei der Leitung des Tagestreffs in Esslingen-Weil.

Interessantes vom MalTa München

Ein Filmbeitrag gibt Einblick in den Alltag in der Malteser Tagesstätte in Berg am Lahm. Neben der Einrichtungsleitung Elke Rieger kommen auch die Mitarbeiterinnen zu Wort.

Hilfe bei Demenz: Der Malteser Tagestreff

Wie gut der Besuch im Malteser Tagestreff MalTa Menschen mit beginnender Demenz tut, erfahren die Mitarbeitenden jeden Tag durch das direkte Feedback ihrer Tagesgäste. Und durch die Rückmeldung der Angehörigen, die dieses tagesstrukturierende Betreuungsangebot als sehr entlastend empfinden.
Im Tagestreff Esslingen, der im Sommer 2016 mit seiner Arbeit begonnen hat, findet derzeit auch ein Gast mit Frontotemporaler Demenz ein Zuhause auf Zeit. Selbst bei dieser eher seltenen, insbesondere für Angehörige schwer auszuhaltenden und belastenden Form der Demenz wirkt der regelmäßige Besuch im MalTa. Wie - das erzählt die Ehefrau des demenziell Erkrankten.

S3 Leitlinie zu Demenz

In der aktuellen Version der S3 Leitlinie Demenzen geben Deutschlands führende Experten, u.a. Psychiater, Psychotherapeuten und Neurologen, Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie der verschiedenen Demenzformen. Da Fortschritte in der medikamentösen Therapie in naher Zukunft nicht in Sicht sind, empfehlen die Experten, das Gewicht stärker auf nicht-medikamentöse Maßnahmen zu legen; dazu gehören Unterstützung des Milieus, kognitive Stimulation, Ergotherapie, alltagsnahe Aktivitäten und künstlerische Therapien.

Die gesamte S3 Leitlinie mit ihren 97 Empfehlungen gibt es im Download auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.  

Weitere Informationen

Das Buch zur Demenz bei TRIAS

... mit Erläuterungen zu den Demenzformen, zu Diagnostik, Therapie und Prävention und vielen Hilfestellungen für den Alltag. Ab sofort im Buchhandel zu beziehen. Hier kann "geschnuppert" werden.

Das wollen wir

Weg von den Defiziten hin zu dem, was alles noch geht, um so den Menschen ein Gefühl von Bedeutung und Würde zu geben. Das ist das Ziel unserer Arbeit.

Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax Bank  |  IBAN: DE10370601201201200012  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PA7