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Malteser Demenzkompetenz - Leben mit Demenz

Wissenschaft & Forschung

Vergessene Schmerzen

Studien belegen, dass Demenzpatienten deutlich weniger Schmerzmedikamente erhalten als geistig fitte Altersgenossen..
In seiner Publikation (Lukas A.: Schmerz und Demenz — eine diagnostische Herausforderung; DNP, 2017 (18): 48-52) unterlegt Privatdozent Dr. med. Albert Lukas vom Zentrum für Altersmedizin am Bonner Malteser Krankenhaus das mit Zahlen, die betroffen machen. Bei Schenkelhalsbrüchen erhalten Menschen mit Demenz nach der Op 30% weniger Morphin als kognitiv nicht eingeschränkte Patienten, mit Schmerzmitteln wie Paracetamol werden sie noch knapper gehalten. Grund ist, dass die Betroffenen oft über ihre Schmerzen keine Auskunft geben können und mit Verhaltensauffälligkeiten wie Unruhe, Schlafstörungen oder auch Aggressivität reagieren.
Als Instrument zur Schmerzerkennung empfiehlt der Autor die verbale Rating-Skala (VRS). Seine Untersuchungen zeigen, dass dieses Instrument bei über 90% der Patienten mit Demenz noch sicher genutzt werden kann.

Nichtmedikamentöse Verfahren zielführend bei Verhaltensstörungen

Bei einer Demenz entwickeln die meisten der betroffenen Menschen im Verlauf der Erkrankung Symptome wie Unruhe, Aggressivität, Enthemmung, Apathie etc. Diese Verhaltensauffälligkeiten werden auch unter der Überschrift BPSD oder "Herausforderndes Verhalten" zusammengefasst. Sie haben in der Regel verschiedene Ursachen, neben Schmerzen, körperlichen und kognitiven Einschränkungen auch eine veränderte Wahrnehmung der Umwelt bzw. des Milieus.
In einer Übersichtsarbeit sind die Studienergebnisse zusammengefasst, die zeigen, dass bei der Therapie dieser Störungsbilder die nichtmedikamentösen Verfahren mittlerweile belegbar an Bedeutung gewonnen haben, was sich auch in den aktuellen Leitlinien Demenzen niedergeschlagen hat. Mehr dazu hier.

Versorgung von Demenzpatienten im Akutkrankenhaus

In der Regel verschlechtern sich akut erkrankte Demenzpatienten im Krankenhaus. Der ungewohnte Tagesrhythmus, die fremden Gesichter, das hohe Tempo und das diagnostische und therapeutische Prozedere stellen für diese Patienten ein scheinbar unüberwindbares Hindernis dar.
Dass es auch anders gehen kann, zeigt die Evaluation von Station Silvia. Das Dt. Ärzteblatt hatte bereits 2017 erste Zahlen veröffentlicht. Der vollständige Abschlussbericht findet sich hier.

Pflege von Menschen mit Demenz in häuslicher Umgebung

Laut zweitem Pflegereport des Gesundheitswissenschaftlichen Instituts Nordost (GeWINO) der AOK für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern werden immer mehr Demenzpatienten zuhause versorgt. Bei mehr als 60% der Demenzkranken entscheiden sich die Angehörigen für die häusliche Pflege.
In seinem Report zeigt das GeWINO zudem auf, dass jeder Siebte über 60-Jährige der Nordost Regionen eine Demenzdiagnose hat. Und die Zahl der Betroffenen nimmt zu: So stieg die Demenzquote bei über 60-Jährigen AOK Nordost Versicherten in einem Zeitraum von 5 Jahren um 1,8 %. Mehr dazu findet sich hier.

Malteser Chefarzt in deutsch-dänischem Demenznetzwerk

Dr. Klaus Weil, Spezialist und Chefarzt für Innere Medizin, Klinische Geriatrie und Rehabilitationswesen am Flensburger Malteser Krankenhaus St. Franziskus Hospital berichtete beim „Demantec“-Netzwerktreffen über die Frühsymptomatik sowie die Bedeutung der Frühdiagnostik bei Demenz, die sehr komplex und zeitaufwendig ist. Im Rahmen der Tagung hatten die Teilnehmer auch Gelegenheit, die Station Silvia im St. Franziskus Hospital zu besuchen.
„Demantec“ ist ein von der Europäischen Union gefördertes Projekt, an dem 10 Projektpartner und 21 Netzwerkpartner aus Deutschland und Dänemark beteiligt sind. Seit März 2016 arbeiten Wissenschaftler, Ärzte und Pflegeexperten an eHealth-Lösungen und innovativen Technologien, um die Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu verbessern.

Demenz als Folge von Arzneimittel-Therapie?

Diese Frage hat das Deutsche Ärzteblatt in einem Beitrag aufgegriffen. Bereits 1987 haben Geriater auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Alzheimer-Entstehung und Arzneimittelkonsum hingewiesen. Gerade in den letzten Jahrzehnten ist die Einnahme von Medikamenten bei alten und hochaltrigen Menschen exponentiell angestiegen, was u.a. die Entstehung einer Demenz fördern, aber auch in Krankheitsbilder wie Delir oder Depression mit typischen Demenzsymptomen münden und eine Demenz "vortäuschen" kann. Ist die Diagnose Alzheimer erst mal gestellt, scheint es oft schwierig zu sein, aus diesem Kreislauf auszubrechen.
Mehr dazu hier.

 

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